Hartz IV Hilfe besucht Sklavenmarkt am Flughafen

Mehrfach pro Jahr finden in der Region so genannte „Jobmessen“ statt, bei denen sich Arbeitgeber präsentieren, und Bewerber sich vor Ort direkt bewerben können.

Als Otto Normalmensch kommt man in diese Veranstaltungen nicht hinein, denn man braucht dazu eine spezielle Einladung. Für die Jobmesse am Frankfurter Flughafen am heutigen Tage wurden über 1300 Erwerbslose von 10 Jobcentern in der Region eingeladen um sich bei über 30 Arbeitgebern zu bewerben – die Einladung anzunehmen ist für sie natürlich Pflicht.

Die Berater der Hartz IV Hilfe Offenbach waren auf die Jobmesse nicht eingeladen. Wir haben sie heute morgen trotzdem besucht, und zwar als Begleiter von 4 Kunden aus verschiedenen Landkreisen.

Neben einigen halbwegs seriösen Arbeitgebern befanden sich auch die üblichen Verdächtigen aus den Bereichen Luftsicherheit, Schnellrestaurants und Postzustellung unter den Anbietern angeblich freier Arbeitsplätze.

Auch die vor allem für den Handel mit Ecstasy und das Totdrücken von Flüchtlingen bekannte Flughafenpolizei sollte mit von der Partie sein – war aber leider nicht aufzufinden.

Stattdessen hatte die scientology-gesteuerte United Parcel Service, die nicht angekündigt war, einen hübschen Stand direkt neben dem Eingang.

Arbeiten am Flughafen – schon lange kein Traumjob mehr

Wir von der Hartz IV Hilfe werden mit den Arbeitsbedingungen vor allem von Luftsicherheitsassistenten auch bei unserer Beratung immer wieder konfrontiert. Viele dieser Arbeiter verdienen heutzutage so wenig, dass sie nebenher noch mit Sozialleistungen vom Jobcenter aufstocken müssen.
Während es vor 30 Jahren durchaus üblich war, als Luftsicherheitsassistent mit knapp 20 Euro Stundenlohn plus Weihnachtsgeld nach Hause zu gehen, zahlen einige der am Flughafen tätigen Zeitarbeitsunternehmen heute mit 8 Euro nicht einmal mehr den gesetzlichen Mindestlohn.

Uns liegen von einer Zeitarbeitsfirma Arbeitsverträge vor, in denen sinngemäß drinsteht, dass man diese 8 Euro dann auch nur für die ersten 120 Stunden pro Monat erhält. Weitere geleistete Arbeitszeit soll auf so genannten „Arbeitszeitkonten“ gutgeschrieben werden.

Wenig überraschend, dass diese „Arbeitszeitkonten“ natürlich keinerlei Funktion haben, die Stunden also niemals bezahlt oder abgefeiert werden sollen, sondern einfach irgendwann spurlos gelöscht werden. Bei über 200 Arbeitsstunden bedeutet das dann einen Bruttostundenlohn von weniger als 5 Euro.

Wie die hessischen Jobcenter hier auf die Idee kommen können, Bewerber aus Schlüchtern oder von der Bergstraße unbedingt an den Flughafen vermitteln zu wollen, bleibt uns ein Rätsel. Von solchen Orten ist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln über 3 Stunden zum Flughafen unterwegs und der zu erwartetende Nettolohn geht schon fast für die Fahrtkosten drauf.

Noch schlimmer sieht es bei der Postzustellung und bei Reinigungsarbeiten aus. Hier ist es am Airport inzwischen Standard nur noch Osteuropäer zu beschäftigen, die zu Hunderten in gemischtgeschlechtliche Wohncontainern ohne Toilette gepfercht werden, weil bei 14-Stunden Schichten eine Anfahrt von Auswärts gar nicht mehr möglich ist.

Das, was angekündigt wurde, fand eigentlich kaum statt

Die Aussteller auf der heutigen Jobmesse hatten den Bewerbern überwiegend rein garnichts zu bieten. Weder konnte man in Erfahrung bringen, welche Stellen zur Zeit vakant sind, noch waren kompetente Ansprechpartner vor Ort. Wozu die Bewerber Lebensläufe mitbringen sollten war ebenfalls nicht ersichtlich, denn bis auf 2 Ausnahmen waren die Arbeitgeber auch auf Bewerbungsgespräche nicht vorbereitet.

Die Begleiter der Hartz IV Hilfe hinterließen bei einigen der ihnen näher bekannten Jobcenter abschließend, wie auf Messen so üblich, ihre Duftmarke und stellten sich im Vorbeigehen kurz vor.
Während die Mitarbeiter von MainArbeit, KCA, sowie der BA aus Frankfurt und Groß-Gerau darauf freundlich reagierten, kam es mit dem „Arbeitgeberservice“ der Dietzenbacher ProArbeit zu einem unschönen Vorfall: Eine offenbar stark alkoholisierte Jobcentermitarbeiterin rannte uns beim Verlassen des Gebäudes hinterher und begann in agressiven Ton auf uns einzureden. Sie beschwerte sich lautstark, dass wir uns anmaßten, unsere Visitenkarten auf ihren Tisch zu legen und forderte uns auf, wir sollten uns stattdessen an die Pressestelle der ProArbeit wenden.

Arbeitsgeberservice der ProArbeit zeigt sich verhaltenskreativ

Dann erklärte sie, sie hätte hier das Hausrecht, und die Kunden seien alle freiwillig hier und deswegen dürften sie keinen Beistand mitnehmen. Beide Behauptungen sind glatte Lügen. Neben diversem weiteren zusammenhangslosen Unsinn, den sie ohne Luft zu holen von sich gab, erklärte sie abschließend unaufgefordert, dass die ProArbeit durchaus in der Lage sei, „das SGB II umzusetzen.“
Da mussten wir dann doch mal lachen, denn immerhin hatte Sie anscheinend trotz ihres Zustandes anhand unseres Flugblattes treffsicher herausgefunden, was wir wohl so für Leute sind.

Warum uns Mitarbeiter der ProArbeit dann noch bis zur Bushaltestelle verfolgten und uns dort ohne Genehmigung fotografierten ist uns nicht bekannt. Es stört uns aber auch nicht.

Fazit des heutigen Tages:

Die Jobmesse im House of Logistics and Mobility ist komplett für die Füße. Man kann sich dort entgegen den Versprechungen der Jobcenter fast nirgends wirklich vor Ort bewerben oder sich über Unternehmen informieren.
Dennoch kann sich der Besuch lohnen, wenn man z.B. Kinder hat, die sich schon lange gerne mal die Flugzeuge aus der Nähe angucken wollten.

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