Aufruf für die Unterstützung von Kirchenasyl in der Region

Aufruf der Offenen Sozialberatung an die Landtagsabgeordneten vom 07.04.2014

Im Folgenden dokumentieren wir einen Aufruf der Offenen Sozialberatung Maintal an die hessischen Landtagsabgeordneten, sich für Kirchenasyl stark zu machen, sowie die Erklärung der Gruppe „Lampedusa in Hanau“.

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Sehr geehrter Herr,
lieber,

da in Hanau, Maintal, und weiteren Orten im Main-Kinzig-Kreis jetzt die ersten Asylbewerber aus Eritrea und Somalia von der Rückführung nach Italien bedroht sind, wird in den Reihen der Unterstützer der Flüchtlinge zur Zeit die Möglichkeit der Einrichtung von Kirchenasyl geprüft.

Die Jahrtausende alte Tradition des Kirchenasyls für Verfolgte ist bei den Kirchen natürlich an gewisse Regeln gebunden. Insbesondere sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein, damit ein Kirchenvorstand eine positive Entscheidung treffen kann:

• Kirchenasyl gilt immer nur für namentlich benannte Einzelfälle

• Es soll ein konkretes Ziel mit dem Kirchenasyl erreicht werden, z.B. eine erneute Überprüfung der Verwaltungsentscheidung erzwungen werden

• Die Abschiebung ins Herkunftsland (oder auch in das „sichere“ Drittland nach Dublin III) muss eine hinreichende Gefährdung für die Betroffenen bedeuten

• Die Betroffenen müssen sich auch selbst aktiv für ihr Bleiberecht einsetzen. Sie müssen dies gewaltfrei tun und mit den Unterstützern kooperieren.

• Es muss eine ausreichend große Zahl an Unterstützern in Gesellschaft und Politik geben, um den Erfolg der Maßnahme zu befördern

Um zu messen, wie groß diese Unterstützung aus Gesellschaft und Politik ist, bitten wir heute Sie und eine Reihe weiterer Personen um eine vorläufige Einschätzung und Positionierung zur Frage des Kirchenasyls für Flüchtlinge, die über Italien nach Deutschland eingereist sind, so dass ihnen die Abschiebung nach Italien droht. Sollte sich eine Kirchengemeinde dazu entschließen, Flüchtlinge zu beherbergen, wird sie dabei Ihre Unterstützung benötigen.

Laut Dubliner Übereinkommen gilt Italien als sicheres Drittland. Tatsächlich droht den Betroffenen in Italien aber, dass sie nach der Anerkennung als Asylant dort keine Perspektive haben. Von Frauen aus Nigeria ist bekannt, dass sie in Italien zu zehntausenden zur Prostitution gezwungen werden. Auch Männer und Kinder landen aufgrund der mangelhaften Sozialstandards oft in Obdachlosigkeit und Elend. Viele Fälle von Polizeiübergriffen und unrechtmäßiger Inhaftierung von Flüchtlingen in Italien und Griechenland sind dokumentiert.

Die Bestimmungen des Dubliner Übereinkommens sind realitätsfern und nach unseren Maßstäben verfassungswidrig.

Die ersten Personen aus Somalia haben letzten Monat ihren Abschiebebescheid erhalten. Ihnen geht es gesundheitlich sehr schlecht. Sie brauchen JETZT unsere Hilfe.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung und verbleiben mit freundlichen Grüßen

Offene Sozialberatung Maintal
Ehrenamtsbüro Neckarstr. 9
63477 Maintal-Dörnigheim

Roman Thilenius

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Statement of Lampedusa in Hanau

We escaped from a dictatorship with forced recruitment and political persecution in Eritrea and from a 23 years long civil war with forced recruitment and raping of women in Somalia.

We survived to cross the desert with little food and too less water and we faced kidnappings for blackmailing our relatives or even to misuse our bodies for trade with organs. Arriving in Libya we experienced strong racism on the streets and systematic imprisonment, partly for years. Crossing the Mediterranean Sea we again had to risk our lives in overcrowded boats. Some of us experienced shipwrecks and the death of relatives or friends on sea, before we arrived on the coasts of Lampedusa, Sicily or Malta.

Most of us were forced to give our fingerprints in Italy or Malta, although we never want to stay in these countries. Some tried to live in Italy, but it was and it is impossible under the crisis to build a safe life. In Malta we are confronted with rigid detention or we are out of any social system.

In Italy we went through overcrowded camps with inhuman conditions and internal fights. We experienced homelessness and racist violence and sexual harassment on the street, we were without any income, perhaps one time per day food by caritas and without medical provision.

Against this background we travelled to Germany to ask for asylum and protection. But here we face again insecurity and threat of deportation back to Italy and Malta. German authorities refuse to allow us the access to a fair asylum procedure.

We first of all demand not to be deported back to Italy or Malta.

We need access to a fair asylum procedure.

We are living now in Hanau, Maintal, Bruchköbel, Freigericht.

We know that many of our friends and relatives from Hamburg to Frankfurt are in similar situations. We know that there are many who have problems not only with their fingerprints in Italy or Malta but also in other countries like Hungary who cannot survive there. We know that there are also many who had in mind to go for example to Sweden or Norway because they have relatives there have been stopped on their way in Germany. The system of Dublin cannot grant us the protection and safety we need. It stops us from building a future after all this hardship we had to go through. We are in solidarity against deportations and exclusion and for the rights of refugees and migrants in Germany and Europe.

We need the freedom to choose the place to stay.

We ask to delete our fingerprints from the European Data-System because these fingerprints are like a prison to us. No Fingerprints – no Dublin II and III.

We are here to stay!

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