Ein bedauerlicher Irrtum

Waren deine Großeltern Aussiedler? Update vom 14.03.2014

Der Gegenstand der Betrachtung:
Ein Anschreiben, das sich im Betreff auf den Leistungsbezug des Kunden bezieht, in dem indirekt mit Strafen gedroht wird, und in dem als Ansprechpartner in der Sache der für die Kundin zuständige Sachbearbeiter genannt wird. Im Anhang ein Fragebogen, den das Amt vom Kunden ausgefüllt haben will, und auf dem oben der Name und die Kundennummer des Kunden stehen.

Meine Interpretation dieses Gegenstands:
Ein geschickt gemachter Betrugsversuch, um SGB II Bezieher einzuschüchtern und auf unzulässige Weise Daten über ihre Eltern und Großeltern zu sammeln.

Im Gegensatz dazu die Interpretation des Jobcenters:
Ein bedauerlicher Irrtum im Zusammenhang mit einer anonymen und freiwilligen Umfrage, zu der man aber als Jobcenter verpflichtet sei.

Nachdem gegenüber einer Zeitung erst einmal alles nur als Missverständnis dargestellt und abgewiegelt wurde, hat man nach dem Anruf einer zweiten Zeitung sich dann gestern in Schadensbegrenzung geübt.

Auf der Titelseite des Maintaler Tagesanzeigers vom 14.03.2014 findet sich eine kurze Stellungnahme des Landkreises.

Zu der Art der Datenerhebung teilt man dort mit:

[…] Der Kreis hingegen bezeichnet diese Art des Ausfüllens von Fragebögen als internes Verfahren, dem zufolge man die Abfrage grundsätzlich mündlich vornehme. „Diese Daten dienen der BA dazu, auf Bundesebene Statistiken zu erstellen. Wir selbst profitieren nicht unmittelbar davon“

Diese Art des Ausfüllens von Fragebögen ist ein internes Verfahren, dem zufolge man die Abfrage grundsätzlich mündlich vornimmt, und man profitiert davon nicht mittelbar, sondern nur unmittelbar. Aha. Was auch immer das bedeutet.

Aber lesen wir weiter. Auch für das Anschreiben mit der Strafandrohung hat man nun plötzlich eine neue Erklärung:

Irrtümlich seien in der KCA-Region Maintal an bis zu 200 Klienten in den vergangenen Wochen Anschreiben verschickt worden […] Wir bedauern diese Formulierung und werden diese sofort ändern.

Ach so, es waren gar nicht alle Kunden betroffen, sondern nur ungefähr 10%, und auch nur in Maintal. Erst behauptet das Jobcenter gegenüber der Presse, das Anschreiben sie doch gar nicht so schlimm, und dann behauptet man, es gäbe 2 Versionen, und die eine sei irgendwie aus Versehen falsch. Ob man das glauben kann?

Aber immerhin: Der Main-Kinzig-Kreis kommt der an ihn herangetragenen Forderung nach und will dieses Anschreiben „sofort ändern“.
Das wichtigste Ziel ist damit erreicht. Ich habe hier also weder Anlass zur Häme oder zum Nachtreten, noch hätte ich Anlass für ein Lob für diesen selbstverständlichen und notwendigen Schritt.

Was bleibt, ist die kommenden Verfahren und die Anworten parlamentarischer Anfragen abzuwarten. Bis dahin thanks for the fish.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.