Wer betrügt hier eigentlich wen?

Oft genug unterstellen Sachbearbeiter Antragstellern „Betrug“, doch wer betrügt hier eigentlich wen? So hat die MainArbeit GmbH also nun ihren ersten offiziellen handfesten Betrugsfall, bei dem Sozialgelder in die private Tasche eines oder mehrerer Mitarbeiter oder Komplizen gewirtschaftet wurden.
Wenn in den unzähligen Fällen durch Mitarbeiter der MainArbeit Gelder, die ALG II-Beziehern gesetzlich zustehen, einfach mal so eben gekürzt werden, oder Mieten nicht oder nur teilweise gezahlt werden, oder die Zahlungen einfach mal vollständig ausbleiben, ist das dann Betrug an den Hilfeberechtigten? Nein, so werden wir belehrt. Das könne schon mal passieren. Dagegen könne man ja dann Widerspruch einlegen und falls das nicht fruchtet bekommt man von den Mitarbeitern der MainArbeit zu hören: „Dann können sie ja klagen“.
Dass der ALG II-Bezieher bis zu einer Entscheidung über seinen Widerspruch finanziell alleine sehen kann wie er überlebt, ist nicht das Problem des Mitarbeiters noch das der Geschäftsführung der MainArbeit.
Die allerwenigsten, die zuwenig oder kein Geld bekommen, beschreiten den Klageweg, oft nur weil sie nicht darüber aufgeklärt werden, dass sie so zu ihren Recht kommen können.
Das ist nach der Logik der Behörden aber kein Betrug an den Hilfebedürftigen, sondern das nennt sich ganz offiziell „Einsparung von Steuergeldern“ – und auf dieses Handwerk verstehen sich die MainArbeiter bestens und einige haben es darin zur Meisterschaft gebracht.Man kann allen Beziehern von Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld nur immer wieder empfehlen, wenn es nicht anders geht, den Rechtsweg zu beschreiten.
Betrug in Offenbachs Mainarbeit aufgedeckt
Mitarbeiter leitete Hartz IV auf Komplizen-KontoVon Thomas Kirstein Offenbach Post  18.9.2010Offenbach • Nach der fristlosen Entlassung ist ein jetzt ehemaliger Mitarbeiter der Offenbacher Hartz-IV-GmbH Mainarbeit ein Fall für die Staatsanwaltschaft.Offenbachs Sozialdezernentin, Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne) , bestätigte unserer Zeitung vorliegende Informationen: Wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten wurde gegen einen Sachbear-beiter bereits vor zwei Wochen Anzeige bei der Polizei erstattet.
Der Straftatbestand der Unterschlagung soll erfüllt sein. Bürgermeisterin Simon wollte den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aber nicht vorgreifen.
Offensichtlich hat der Mainarbeit-Mann unberechtigte Zahlungen nach dem Sozialgesetzbuch II auf das Konto eines Kunden überwiesen. Andere Quellen sprechen von mehreren Komplizen. Der Mann ist geständig.
Gegenwärtig wird von einem Schaden im “unteren fünfstelligen Bereich“ (Simon) ausgegangen. Wahrscheinlich sind 25000 bis 30000 Euro. Laut Mainarbeit-Geschäftsführer Dr. Matthias Schulze-Böing sind die Unregelmäßigkeiten intern aufgedeckt worden. Der Verdächtige war Angestellter der Agentur für Arbeit, die seit 2005 die Mainarbeit als Hartz-IV-Arbeitsgemeinschaft betreibt.
Es ist dies die erste bekannt gewordene Unterschlagung bei der Mainarbeit. 2004 hatte Betrug im Offenbacher Sozialamt für Schlagzeilen gesorgt. Ein Mitarbeiter hatte die Stadt innerhalb von fünf Jahren um 200000 Euro erleichtert. Im Gegensatz zum aktuellen Fall hatte er das Geld nicht an reale Personen überwiesen, sondern Hilfsempfänger erfunden und diesen Leistungen zugebilligt.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.